Neue Studie: Schweizer bevorzugen staatliche E-ID

Neue Studie: Schweizer bevorzugen staatliche E-ID

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: zvg

Die elektronische Identität gilt als unabdingbar für die Weiterentwicklung von E-Government-Dienstleistungen. Erstmals wurde nun die Bevölkerung dazu befragt. Eine Mehrheit wünscht sich den Staat als E-ID-Herausgeber, die Banken würden auch noch akzeptiert werden.

E-ID Estland
Quelle: 
zvg

Eine staatliche E-ID ist in Estland seit Jahren erfolgreich und wird ganz selbstverständlich genutzt – entwickelt wurde sie durch eine Schweizer Firma.

Der Branchenverband Swiss FinTech Innovations hat zusammen mit dem Link Institut eine Studie durchgeführt, um der Befindlichkeit der Schweizer Bevölkerung gegenüber der digitalen Identität auf den Grund zu gehen.

62 Prozent der Nutzer verwenden dazu 1 bis 10 unterschiedliche Logins für E-Banking, Soziale Medien und andere Services. Immerhin noch 16 Prozent verwalten mehr als 20 Logins. Mehr als die Hälfte der Befragten kennt ihre Logins auswendig. Andere arbeiten mit notierten Logindaten, mit Passwortprogrammen oder verwenden ein und dasselbe Login mehrfach.

Das Stichwort «mega mühsam» fiel öfters. Schon im Zusammenhang mit dem Generieren der Passworte, vor allem jedoch mit der Verwaltung der Logins – User verlieren leicht die Übersicht.

Männer vertrauter mit E-ID als Frauen

31 Prozent der Befragten haben schon einmal von der E-ID gehört. Männer doppelt so häufig wie Frauen. Die 50- bis 59-Jährigen sind mit 42 Prozent besser informiert sowie auch Gruppen mit höheren Einkommen. An der Spitze der gut Informierten: Nutzer mit 16 oder mehr Logins kennen die E-ID bereits zu 46 Prozent. Bei dieser Gruppe dürfte der erhöhte Leidensdruck durch den Verwaltungsaufwand von zahlreichen Logins zum Wissen und zur Hoffnung auf Besserung beitragen.

Rund die Hälfte der Personen ist an der E-ID grundsätzlich interessiert (sehr bis eher interessiert). Mit 57 Prozent würden die Befragten an Wahlen und Abstimmungen mit der E-ID teilnehmen. Jeweils rund die Hälfte ist darin interessiert, sich generell zu identifizieren und würde sich auch im E-Banking einloggen, um Zahlungen auszuführen. 46 Prozent sehen den Nutzen darin, in Onlineshops zu bezahlen.

Das Interesse an der E-ID ist da, jedoch spielen auch Sicherheitsbedenken mit. Das spiegelt sich auch im Wunsch, die Erstregistrierung für die E-ID mit einer persönlichen Vorsprache beim E-ID-Anbieter zu verbinden. Abgesehen von sozialen und traditionellen Medien werden für alle anderen Bereiche jeweils eine persönliche Registrierung präferiert. Insbesondere für Banken, Gesundheitsbereich, Behörden und Versicherungen.

Die Frage des E-ID-Anbieters

Die öffentliche Hand wird als E-ID-Anbieter mit 74 Prozent der Nennungen präferiert. 60 Prozent können sich auch eine Bank als E-ID-Anbieter vorstellen, 58 Prozent ein spezielles Gemeinschaftsunternehmen und 51 Prozent ein staatsnahes Unternehmen. Weitere Nennungen entfallen auf Versicherung/Krankenkasse, Telekomunternehmen, E-Commerce-Unternehmen und Soziale Medien.

Auch wenn die öffentliche Hand präferiert wird: Grundsätzlich kommen für die grosse Mehrheit (87 Prozent) auch private Unternehmen als E-ID-Anbieter infrage. Die Befragten präferieren jedoch klar einen einzigen E-ID-Anbieter. Zudem legen sie Wert auf Gewaltentrennung, das heisst: die Herausgabe der E-ID und die alltägliche Prüfung der ID sollten besser durch getrennte Unternehmen durchgeführt werden.

Ein Passwort erachtet jeweils eine Mehrheit der Befragten als genügend bei Medien, sozialen Netwerken oder auch bei Online-Einkäufen. Andere Ansprüche bestehen bei sensiblen Bereichen wie zum Beispiel bei Ärzten, Spitälern, Behörden und auch bei Banken. Dort wünschen sich hohe Anteile der Befragten jeweils einen biometrischen Zugangscode.

Sicherheit als wichtigste Anforderung

Auch bei der Nennung wichtiger Anforderungen an eine E-ID spielen Sicherheitsaspekte eine zentrale Rolle, die Sicherheit steht ganz vorne (83 Prozent), gefolgt vom Schutz der Privatsphäre (77 Prozent).

Erst danach folgen Aspekte wie «kostenlos» mit 59 Prozent, «an vielen Orten einsetzbar» mit 58 Prozent oder «benutzerfreundlich» mit 58 Prozent. Die Freiwilligkeit der Nutzung ist mit 48 Prozent rund der Hälfte der Befragten wichtig, man möchte nicht zur E-ID zwangsverpflichtet werden. (mgt/aes)