Elektrofahrzeuge: Pionierarbeit der Energiestädte

Elektrofahrzeuge: Pionierarbeit der Energiestädte

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Gemeinden können auf verschiedenste Weise nachhaltiger werden. Der Bereich Mobilität bietet grosses Potenzial, um das Ziel einer umweltfreundlicheren Gesellschaft zu erreichen. Investitionen in Elektrofahrzeuge erweisen sich dabei als besonders effektiv. Dies machen sich Energiestädte zunutze.

E-Fahrzeug Emmen
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Elektrofahrzeuge werden bisher vor allem im Werkdienst genutzt – wie hier in Emmen LU von Hans Marbach.

Von Elia Saeed*

Um Hans Marbach herum brummt und röhrt es, während er ungehört durch die Strassen saust. Der Werkdienstmitarbeiter der Luzerner Agglomerationsgemeinde Emmen fährt seine Touren praktisch geräuschlos auf einem dreirädrigen Vehikel. Es ist kompakt, wendig und hinten steigt weder Rauch noch Staub auf. Das modulare Elektrofahrzeug «vR3» vom Hersteller «vRbikes.ch», mit dem Hans Marbach seine Arbeiten erledigt, ist eines der E-Mobile, auf die schweizweit immer mehr Kommunen setzen.

Vor allem Gemeinden mit dem Label «Energiestadt» leisten punkto Elektrofahrzeuge Pionierarbeit, indem sie Prototypen testen und so dabei helfen, die Leistung zu optimieren. Diese «kommunale Aufbauhilfe» zur Förderung der Elektromobilität trägt dazu bei, den ambitionierten Zielen der Energiepolitik des Bundes näher zu kommen.

Effizient und nachhaltig

«Energiestrategie 2050» – so lautet der Titel für das totalrevidierte Energiegesetz, das seit Beginn dieses Jahres in der Schweiz gilt. Zu ihren Zielen gehört die Senkung des Energieverbrauchs und der Emissionen von Luftschadstoffen bei gleichzeitiger Verbesserung der Energieeffizienz. Das Label-Programm «Energiestadt» von «EnergieSchweiz» hilft dabei, Optimierungspotenziale verschiedener Handlungsfelder in Gemeinden zu eruieren und mit konkreten Massnahmen anzugehen.

Neben Bereichen wie beispielsweise der Ver- und Entsorgung oder der Kommunikation ist eines der wichtigsten Handlungsfelder die Mobilität. Denn rund ein Drittel des Schweizer Energieverbrauchs geht auf den Verkehr zurück, der immer noch zu über 90 Prozent von fossilen Energieträgern abhängig ist. Hier will man effizienter und vor allem nachhaltiger werden. Die Förderung der Elektromobilität bietet hierzu ideale Voraussetzungen.

Gemeinden, die das Label «Energiestadt» tragen, durchlaufen einen umfassenden Prozess, der sie zu einer nachhaltigen Energie-, Verkehrs- und Umweltpolitik führen soll. Alle vier Jahre müssen sie sich neu zertifizieren lassen und dabei ihre nächsten Schritte hin zu einer umweltfreundlichen Kommune aufzeigen. Dabei verfolgt «Energiestadt» die  strategische Umsetzung von Visionen wie der 2000-Watt-Gesellschaft und Forderungen der Klimagipfel.

Investitionen in die Mobilität bieten grosse Potenziale, um diese Ziele zu erreichen. Zum Thema Elektromobilität schreibt der Bundesrat, dass sie die Chance biete, «einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Mobilität zu leisten». Ausserdem könnten damit bei Verwendung erneuerbarer Energien «die Abhängigkeit von fossilen Treibstoffen und die lokalen Emissionen von Luftschadstoffen, Treibhausgasen und Lärm» gesenkt werden.

Der Bund schreibt sogar vor, dass Gemeinden ihren Energie-Absenkpfad nachweisen müssen. Es gibt jedoch keine konkreten Vorgaben, wie dieser Nachweis im Bereich Mobilität  auf Gemeindeebene erbracht werden soll. Deshalb hat «EnergieSchweiz» eine Mobilitätsbuchhaltung entwickelt. Sie soll den Energiestädten als Werkzeug dienen, um die Wirkung von Massnahmen im Bereich Mobilität zu überprüfen.

Die Anzahl gemeindeeigener Fahrzeuge ist bisher der einzige numerische Bezug, der die Anschaffung von Elektromobilen standardmässig abbildet. Auf freiwilliger Basis können zusätzlich beispielsweise CO2-Einsparungen durch eben diese Anschaffungen angegeben werden. Im Durchschnitt erreichen Energiestädte das Mobilitätsziel zu rund 57 Prozent, diejenigen mit dem strengern Gold-Status finden sich im Schnitt bei knapp unter 80 Prozent. Von insgesamt sechs Investitionsgebieten liegt dieser Bereich damit in der Regel an vierter Stelle.

St. Gallen setzt auf Elektro

Eine «Energiestadt Gold», die als Vorreiter in Sachen Elektromobilität bezeichnet werden kann, ist St. Gallen. Dort sieht das städtische Energiekonzept vor, dass bis ins Jahr 2050 rund 90 Prozent der privaten Personenwagen elektrisch angetrieben unterwegs und mit Strom aus erneuerbarer Energie oder Wärme-Kraft-Kopplung versorgt sein werden.

Dafür setzt die Stadt auf eine Vielzahl von Massnahmen, unter anderem auf Förderbeiträge bei der Beschaffung von privaten Elektrofahrzeugen und Ladestationen. Für die gemeindeeigene Flotte wird in St. Gallen nur in begründeten Ausnahmefällen kein elektrisch betriebenes Fahrzeug ang schafft. «Die Elektrofahrzeuge bewären sich im Einsatz und sind beliebt bei den Mitarbeitenden», erzählt Karin Hungerbühler von Umwelt und Energie Stadt St. Gallen. «Anfängliche Vorbehalte verschwinden schnell, nachdem die Fahrzeuge in Betrieb sind.»

Während sich St. Gallen umfassend für grossflächig genutzte Elektromobilität rüstet, konzentrieren sich andere Gemeinden bei diesem Thema vornehmlich auf die eigene Fahrzeugflotte. In Olten beispielsweise werden die E-Mobile in der Reinigungsgruppe als Träger- und Kleintransportfahrzeuge und in der Gärtnerei als Transporter genutzt. «Mit den so eingesetzten Fahrzeugen haben wir gute Erfahrungen gemacht», sagt Adrian Balz, Leiter der Oltner Baudirektion. Gleichzeitig merkt er aber auch an, dass eine grundsätzliche Problematik bei der Nutzlast der batteriebetriebenen Fahrzeuge bestehe, «da das Eigengewicht der erforderlichen Batterien relativ hoch» sei.

Ziel emissionsfreier Verkehr

Elektromotoren haben im Vergleich zu Verbrennungsmotoren einen hohen Wirkungsgrad. Auch sind die Unterhaltskosten im Vergleich tiefer, wodurch die Gesamt-Lebenskosten eines Elektrofahrzeuges attraktiver sind. Zudem haben Kommunen, welche die Elektromobilität fördern, eine wichtige Vorbildfunktion. Sie unterstützen damit bewusste Mobilität. Als Nebeneffekt wirkt die Nutzung und Verbreitung von Elektrofahrzeugen positiv auf das Mobilitätsmarketing von Gemeinden.

Der Trägerverein Energiestadt gibt die Empfehlung heraus, emissionsfreien Verkehr zu fördern. Elektromobilität ist dabei ein Mittel zum Zweck und nicht Selbstzweck. Gleichwohl macht der Verbund Vorschläge, wie das Ziel des emissionsfreien Verkehrs erreicht werden kann – und da spielt Elektromobilität wiederum eine grosse Rolle, weil sie sich fast ideal dazu eignet, möglichst ohne Emissionen unterwegs zu sein.

Städtische Regionen bieten einen besonders fruchtbaren Boden für die Nutzung der Elektromobilität. Agglomerationen im Speziellen haben durch ihre Zentrumsnähe – und dadurch kurzen Arbeitswege – ideale Voraussetzungen, um Elektromobile effizient zu nutzen. Angesichts dessen wird die Elektrifizierung des Verkehrs schweizweit noch eher  stiefmütterlich behandelt.

Die aktuelle Entwicklung jedoch zeigt, dass immer mehr Gemeinden mit der Förderung der Elektromobilität den Schritt in eine zukunftsfähige Richtung wagen – bis sich eines Tages nicht mehr nur Werkdienstmitarbeiter wie Hans Marbach an der geräuschlosen Fortbewegung erfreuen.

 

* Elia Saeed ist Journalist und Medienschaffender. Unter anderem ist er für die «vonRoll infratec AG» tätig, deren Tochter «vRbikes.ch» ist.