Schöne Bilder dank Drohnen

Schöne Bilder dank Drohnen

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Teaserbild-Quelle: zvg
Drohne sei Dank

Viele Gemeinden haben irgendwann einen Imagefilm drehen lassen. Die meisten davon sind leider austauschbar und beliebig. Das muss heute nicht mehr sein: Dank dem Einsatz von Drohnen kann auch mit einem nicht allzu grossen Budget ein zeitgemässer Film produziert werden, der die Generation Youtube anspricht.

Seit einigen Jahren verfügt Moosseedorf über einen Imagefilm. Gemeindepräsident Peter Bill begrüsst die Zuschauer etwas nervös in einem Ruderboot sitzend und lädt zu einem
Rundgang durch sein «schönes und lebenswertes» Dorf ein. Er spricht ruhig und behäbig. Es folgen verschiedene Bilder aus der Gemeinde, untermalt von einer monotonen Allerweltsmusik. Die Hälfte davon könnte auch in Spreitenbach, Gossau SG oder Münchenbuchsee gedreht worden sein. Von einer Off-Stimme erfährt man, Moosseedorf biete «attraktive Wohnmöglichkeiten» und eine «hohe Lebensqualität» sowie «Freizeitmöglichkeiten für Jung und Alt».

Selbstverständlich sei man «familienfreundlich», an «zentraler Lage» gelegen und verfüge über «gute ÖV-Anschlüsse». Zudem habe man einen «günstigen Steuerfuss», und ein «gemütlicher Dorfkern» lade zum Schlendern ein. Das gleiche könnte man zweifellos auch über Zofingen, Gelterkinden oder Trimmis sagen, ohne zu lügen. Zum Schluss des gut eineinhalbminütigen Films äussert der Gemeindepräsident die Hoffnung, man habe einen positiven Eindruck «unseres lebenswerten Dorfes» gewinnen können.

Moossee direkt aus Mittelerde

Solche austauschbaren Imagefilme gibt es zuhauf. In Moosseedorf entschied man sich daher aus Anlass des 775. Geburtstags im letzten Jahr das Image der 4000-Seelen-Gemeinde etwas aufzufrischen und gab einen neuen Film in Auftrag (siehe unten). Er kommt fast gänzlich ohne Text aus, weder in gesprochener noch in geschriebener Form, sondern lässt vor allem Bilder sprechen.

Das beginnt beim namensgebenden Moossee, der in der ersten Einstellung an einen verwunschenen See in Mittelerde erinnert. Die Kamera schwenkt über Felder in sattestem Grün, dahinter ein perfekter Sommerhimmel. Man fliegt am Grauholzdenkmal vorbei. Ein roter Zug fährt in den kleinen Bahnhof ein und signalisiert: Ich bin am Ziel. Die Instrumentalmusik ist wuchtig, pompös und unterstreicht die Macht der starken Bilder. Zoom auf eine Statue, die mit Weitblick auf den Moossee schaut. Dann der Golfplatz in der Morgensonne. Zum Schluss das Dorf in der Vogelperspektive, die Kamera zoomt auf die farbige Begegnungszone im Zentrum.

Dann die Einblendung, die einzigen Worte, die im Film erscheinen: «Moosseedorf. Einzigartig vielfältig, lebenswert.» Plötzlich passt dieser eigentlich ebenfalls austauschbare Claim.

Es sind wuchtige knapp eineinhalb Minuten. Der erste Gedanke des Betrachters: «Wow, wieso war ich da noch nie?». Man greift wahrscheinlich zum Smartphone und sucht auf Wikipedia nach Moosseedorf. Es ist Imagewerbung ganz auf den Geschmack einer Generation ausgerichtet, die sich vornehmlich in den sozialen Medien aufhält. Die Schnitte sind schnell, die starken Bilder holen auch Youtube- und Instagram-Affine ab. Wer mehr Infos braucht, hat Google.

Neuer Blick auf die Heimat

Gedreht haben den neuen Film über Moosseedorf Priscilla und Jonas Bucher. Nach zwölf Jahren im Ausland sind sie letztes Jahr wieder in die Schweiz zurückgekehrt. Ihr Blick auf ihre Heimat hat sich durch das Leben in der Ferne verändert: «Immer, wenn wir in die Schweiz zurückgekommen sind, fiel uns auf, wie unglaublich schön das Land ist. Wir haben Details wie Strassen anders betrachtet und für unsere Mitmenschen normal gewordene Winkel neu entdeckt», sagt Priscilla Bucher.

Jonas hat auf der Bayerischen Akademie für Fernsehen in München das Filmhandwerk von der Pike auf gelernt. Bei der «ProSiebenSat.1-Gruppe» war er als Produzent für das Konzipieren, Schreiben und Schneiden diverser Inhalte verantwortlich. Besonders angetan haben es Jonas Bucher die Trailer, die schnellen Werbeclips im Fernsehen. Priscilla Bucher hat in den letzten Jahren sowohl eine Bühnen- als auch eine Drehbuchausbildung abgeschlossen. So ergänzt sich das Ehepaar in Sachen Film perfekt.

Zurück in der Schweiz haben sie mit der Buchermedia GmbH den Schritt in die Selbständigkeit gewagt und ihre eigene Firma gegründet, die in den Bereichen Imagefilme, Events, Musik- und Promotionsvideos tätig ist. Damit haben sie auch die Gemeinden im Visier. «Viel zu schnell vergessen wir im Alltag, an welchen heimeligen, speziellen und  geschichtsträchtigen Orten wir uns aufhalten. Diese Momente der Erkenntnis fangen wir aus neu gedachten Perspektiven ein», sagt Jonas Bucher, der wie seine Frau eine Verwaltungslehre gemacht hat und somit über die Bedürfnisse einer Gemeinde bestens Bescheid weiss.

Jeder Film ist ein individuelles Projekt, welches in enger Zusammenarbeit mit dem und nach den Wünschen des Auftraggebers entsteht. «Bei uns gibt es keine Elemente ‹ab Stange›», so Jonas Bucher. «Das Konzept ist einfach: Die schönsten Orte und die charakteristischen Infrastrukturen attraktiv präsentieren. » Auch Videos mit einem Speaker und Textelementen bietet die Firma an. Ist man sich einig, wird die Gemeinde genaustens erkundet, damit die speziellen Details und Momente ja nicht vergessen oder verloren gehen.

Für ihre Filme setzt Buchermedia nebst Kamerafahrten und Detailaufnahmen auch auf den Einsatz von Drohnen. «So können wir spektakuläre Luftaufnahmen machen, die man bisher nur mit Hilfe eines teuren Helikopters einfangen konnte», sagt Priscilla Bucher. Die Drohnenaufnahmen liefern im Film denn auch die stärksten Ansichten von Moosseedorf. Im Zuge des Drehs wurden mit der Drohne auch gleich hochauflösende Fotoaufnahmen für die neue Infobroschüre geschossen. «Wir sind uns durchaus bewusst, dass  Drohnenflüge nicht bei allen Menschen gute Gefühle auslösen», so Priscilla Bucher. Darum fliege man nur mit dem Segen der Gemeinde und informiere alle Einwohner vorab über Dauer, Sinn und Zweck eines Drohnenflugs.

Mit dem Resulat zufrieden

Der Aufraggeber des ersten Gemeinde-Imagefilms von Buchermedia ist zufrieden mit dem Resultat: «Der Film ist in der Bevölkerung sehr gut angekommen », sagt Peter Scholl, Verwaltungsleiter in Moosseedorf. Er zeigt den Film immer wieder an externen Anlässen und Vorträgen. «Immer wenn jemand eine schnelle Idee braucht, was Moosseedorf ausmacht.» Der Film mache «gluschtig» auf seine Gemeinde, ist Scholl überzeugt. Da er einfach und ohne Text gehalten ist, passe der Film eigentlich immer. Und der Kostenrahmen war ebenfalls «erträglich», betont Scholl.

Autoren

Patrick Aeschlimann
Chefredaktor Kommunalmagazin

Patrick Aeschlimann hat an der Universität Zürich Politikwissenschaft studiert und 2010 abgeschlossen. Seit November 2011 ist er als Redaktor beim Kommunalmagazin tätig, seit August 2016 ist er Chefredaktor. Er interessiert sich besonders für politische Themen, die digitale Transformation aller Lebensbereiche und gesellschaftliche Entwicklungen.