Bevölkerungsreiche Perspektiven fürs Limmattal

Bevölkerungsreiche Perspektiven fürs Limmattal

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Etwa 30 Kilometer lang ist das Limmattal von der Zürcher Hardbrücke bis zur Limmatmündung bei Brugg. Es ist der Lebensraum für über 200'000 Einwohner. Nach einem Wachstum um etwa einem Drittel in den nächsten Jahrzehnten könnte die Einwohnerzahl auf 270'00 bis 300'000 ansteigen. Nach den Vorstellungen der Beteiligten des Projektes Perl sollte sich diese Entwicklung weiterhin in einem urbanen Rahmen abspielen.

Für die ganze Schweiz relevant

Das ETH-Projekt «Perspektive Raumentwicklung Limmattal (Perl)» hat im 2013 einen Planungsprozess durchgeführt, dem dieses Bevölkerungswachstum zugrunde gelegt wurde.  Im Rahmen dieses Prozesses haben vier interdisziplinäre Planungsteams von Albert Speer & Partner (Frankfurt/M.), ASTOC Architects and Planners (Köln), KCAP Architects & Planners (Zürich) und der Metron AG (Brugg) Vorschläge für eine Gesamtvorstellung erarbeitet, wie sich das Limmattal entwickeln soll und wo bei der Entwicklung die Schwerpunkte zu legen sind.

So wurde 2013 nach intensiver Vorbereitung ein Planungsprozess durchgeführt, bei dem breit abgestützte Vorstellungen für die langfristige räumliche Entwicklung des Limmattals erarbeitet wurden. Daraus resultieren die folgenden Empfehlungen:

Eigenständiges Limmattal – mehr als eine Erweiterung Zürichs

Das Gremium definiert für den Abschnitt Limmattal zwischen Zürich und Brugg drei Teilräume mit unterschiedlichen Charakteristika und eigenständigem Auftritt. Es sind dies der Raum von Baden-Wettingen bis zu Mündung der Limmat, der Raum Dietikon/Spreitenbach/Killwangen sowie der Raum Zürich-Altstetten/Schlieren. Prioritär, so empfiehlt das Gremium, sollte der mittlere Teil, mit Dietikon/Spreitenbach/Killwangen angegangen werden, um die drängenden Aufgaben der Siedlungs-, Verkehrs- und Landschafts-Entwicklung zu klären.

Vorhandene Qualitäten - für einen attraktiven Lebensraum

Nicht alles soll einfach geändert werden. Der Raum enthält viele Qualitäten, die es zu bewahren gilt, um sie als zukunftsfähige Lebensräume zu nutzen. Ein durchgehendes Siedlungsband von Zürich bis zur Limmatmündung steht dabei nicht zur Diskussion. Das Limmattal wird als ein zu gliedernder Talraum gesehen. Das Potenzial der Landschaft mit der Limmat und den Hangrücken sowie die landschaftlich geprägten Spangen quer zum Talraum sollen sollen zusammen mit Grün- und Parkräumen die Siedlungsentwicklung wesentlich mitprägen. Die Freiräume eines abwechslungsreichen und frei zugänglichen Flussraums sind weiter zu stärken, und die Möglichkeiten für das Wohnen am Wasser sollen künftig vermehrt genutzt werden. Zur Erhaltung attraktiver Ortszentren gehören gemäss dem Projekt-Begleitgremium auch künftig sowohl der lokale Detailhandel als auch die grossflächigen Einkaufszentren brauche. Die Gemeinden sollten eine aktive Bodenpolitik betreiben, das heisst Standorte für strategische regionale und kommunale Infrastrukturen identifizieren und für die Zukunft sichern. Ein durchgehendes Siedlungsband von Zürich bis zur Limmatmündung steht nicht zur Diskussion.

Verstärkte Verknüpfung der Verkehrsträger

Die für die gesamte Schweiz bedeutende Region Zürich und der Flughafen müssen weiterhin gut erreichbar bleiben. Gelingt es nicht, Siedlungs- und Verkehrsentwicklung besser aufeinander abzustimmen, droht eine Verschlechterung der Erschliessungsqualität im Hauptzugangsraum zum wichtigsten Wirtschaftsmotor der Schweiz. Ein Beruhigungs- oder Entspannungspotential hätte die Verknüpfung aller Verkehrsträger im Limmattal zu einem integrierten System. Dazu gehört vorrangig dass die Limmattalbahn von Zürich-Altstetten bis Killwangen als Rückgrat des regionalen Verkehrs im östlichen Limmattal umgesetzt und der Honeret-Tunnel als dritte Doppelspur realisiert wird.

Grosses Förderpotential wird auch im Ausbau der Veloschnellwege gesehen, sowohl längs der Limmat als auch längs der Bahnachse, zusammen mit kleinteiligen lokalen Velowegnetzen für den Langsamverkehr. Das zusätzliche Verkehrsaufkommen müsse überwiegend vom ÖV und von Velo-Netz getragen werden. Um langfristig zu gewährleisten, dass auch der motorisierte Individualverkehr funktionsfähig bleibe, seien bauliche aber vor allem auch betriebliche Optimierungsmöglichkeiten der Hochleistungsstrassen vorurteilsfrei zu prüfen.

Zusammenarbeit weiter verstärken

Mit dem ETH-Projekt «Perspektive Raumentwicklung Limmattal» haben erstmals Akteure über Gemeinde-, Regions- und Kantonsgrenzen hinweg und zusammen mit den betroffenen Bundesstellen eine langfristige Entwicklungsperspektive erarbeitet und sich auf wesentliche Stossrichtungen verständigt. Damit erhält das Projekt eine exemplarische Bedeutung über den Prozess hinaus. Gemäss Martin Tschopp, dem stellvertretenden Leiter der Sektion Bundesplanungen im Bundesamt für Raumentwicklung besteht seitens des Bundes der Wunsch nach weiterer, vertiefter Zusammenarbeit über die administrativen Grenzen und die Kantonsebenen hinweg. So ist vorgesehen, dass aufbauend auf diesen Perl-Ergebnissen ein Nachfolgeprojekt zum Thema «Nachhaltige Raumentwicklung 2014-2018» verfolgt wird. (mai/mgt)