Der Wald aus neuer Perspektive

Der Wald aus neuer Perspektive

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Beat Schildknecht / Imagevideo Flawil

An Auffahrt wurde der erste Baumwipfelpfad der Schweiz eröffnet. Über 500 Meter Länge schlängelt sich der hölzerne Parcours auf einer Anhöhe oberhalb von Mogelsberg SG. Die Initiatoren verkünden selbstbewusst und stolz: «Unser Pfad ist der schönste in ganz Europa!»

Den meisten Schweizern war Mogelsberg bisher kaum ein Begriff – doch das könnte sich dank einer einzigartigen Attraktion in Kürze ändern: An Auffahrt öffnete hoch über dem Toggenburger Dorf der erste Baumwipfelpfad der Schweiz.

Der Ortstermin des Kommunalmagazins war für Anfang Frühling geplant. Mit dem aufkommenden frischen Grün bietet sich bei schönem Wetter ein guter Weitblick ins Tal. Doch es ist anders gekommen. Der Winter ist kurzfristig zurückgekehrt. Mehr als 20 Zentimeter Schnee sind in der Nacht gefallen. Doch aus Mogelsberg kommt keine Absage. Der Termin steht. Die neue Attraktion im Toggenburg soll künftig ganzjährig geöffnet sein. Also auf zur ersten Winterbegehung.

Entspannte Anreise

Mogelsberg war bis Ende 2008 eine eigenständige Gemeinde mit gut 2000 Einwohnern und fusionierte dann mit Brunnenadern und St. Peterzell zur Gemeinde Neckertal. Inmitten der Hügel des Voralpenlands, abseits von Hektik und Lärm, bestehen ideale Bedingungen zum Erleben und Erholen mitten in der Natur.

Entspannend ist bereits die Anreise: Die kleinen Züge der Südostbahn verkehren im Halbstundentakt zwischen St. Gallen und Wattwil. In Mogelsberg hält die Bahn nur auf Verlangen.

Bis zum Dorf verläuft entlang der Stasse ein Spazierweg den Hügel hinauf. Bis zum Ort ist es kaum eine Viertelstunde. Nach weiteren fünf Minuten ist der neue Baumwipfelpfad erreicht. Er streckt schon von unten gut sichtbar seine äussersten Aussichtspunkte durch die Wipfel hindurch. Ab dem Frühling ist ein alternativer, direkter Fussweg über die Wiesen möglich.

Mogelsberg war der Favorit

Der Baumwipfelpfad im Neckertal ist der erste in der Schweiz. Doch in Europa und Übersee sind bereits einige dieser Spazierwege in luftiger Höhe in Betrieb. Und eben zwei dieser Exemplare – der Baumwipfelpfad im Bayrischen Wald sowie ein Wipfelwanderweg in der Steiermark (Österreich) – waren es, auf welche die Mitglieder der IG Holz Toggenburg im Jahr 2011 auf einer Tagung in Garmisch Partenkirchen aufmerksam wurden.

Im Bereich Tourismus besteht im Neckertal nämlich durchaus Potenzial. Der Baumwipfelpfad könnte nicht nur neue Freizeitangebote in den Bereichen Umwelt und Holzwirtschaft vereinen, sondern auch über die Region hinaus neue Besucher ins Tal bringen.

Aus den anfangs sieben möglichen Standorten kristallisierten sich schnell drei Favoriten heraus. Mogelsberg erwies sich als besonders ideal, da das bevorzugte Gelände bereits Eigentum der Gemeinde war. Eine öffentliche Erschliessung war ebenfalls vorhanden und der Standort des neuen Baumwipfelpfads als Biotop ausgewiesen.

Vereine und WWF stehen hinter dem Projekt

Das dort seit Jahren stehende Blockhaus Steinwäldli wurde als Projekt der Genossenschaft «Holz Mogelsberg» errichtet und dient für Feste und Veranstaltungen. Auch Schulklassen nutzen die Unterkunft und den angrenzenden Rundweg und Erlebnispfad regelmässig, um die Flora und Fauna des Waldes sowie die Bedeutung des Holzes kennenzulernen.

«Bauen im Wald ist bewilligungstechnisch fast unmöglich. Das war in unserem Fall ein absoluter Pluspunkt. Wir hatten auch die Vereine hinter uns. Selbst der WWF ist mit im Boot und im Umweltprojekt involviert», berichtet Werner Ackermann, Präsident der Genossenschaft Baumwipfelpfad Neckertal. Doch es sollten einige Jahre vergehen, bis der Traum in die Realität umgewandelt werden konnte. (...)

Quelle: 
baublatt/Youtube

Autoren

Redaktorin Baublatt

Ihre Spezialgebiete sind Architektur- und Technikthemen.