Lärmschutz: Krach mit Schall bekämpfen

Lärmschutz: Krach mit Schall bekämpfen

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Teaserbild-Quelle: Josh Parris

Forscher von Singapurs technischer Universität Nanyang wollen Strassenlärm mit Schall bekämpfen. Sie arbeiten an einem Gerät, dass Ruhebedürftigen ermöglicht, trotz Krach vor dem Haus das Fenster zu öffnen.

Presslufthammer
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Josh Parris

Offenes Fenster trotz Presslufthammer auf der Strasse? Eine neue Erfindung aus Singapur soll es möglich machen.

Wenn draussen der Presslufthammer dröhnt und Blechlawinen über den Asphalt donnern, können schalldichte Fenster Abhilfe schaffen. Doch kaum öffnet man sie, ist der Lärm in der Wohnung. Forscher von der technischen Universität Nanyang in Singapur (NTU) wollen derartigen Krach mit zusätzlichem Schall den Garaus machen. Sie haben eine Technologie entwickelt, die sich an Kopfhörern orientiert, die nervige Geräusche mittels Gegenschall ausblenden oder immerhin reduzieren.

Dabei handelt es sich um ein Gerät, das direkt am Fenstergitter montiert wird und mit einem Mikrofon sowie einem Lautsprecher ausgestattet ist. Es empfängt die akustischen Wellen, berechnet daraus in Echtzeit das entgegengesetzte Wellenmuster und strahlt sie aus. Das so entstehende Rauschen soll dann die ärgerlichen Lärmquellen schwächen oder sie gar auslöschen. Und es wird leiser.

Vorbild Kopfhörer

Laut Gan Woon-Seng, Direktor am NTU-Zentrum für Informatik und Kommunikation, bietet die Entwicklung gleich zwei Vorteile: Menschen die an einer lärmigen Lage arbeiten oder wohnen, können die Fenster zum Lüften öffnen ohne unter dem Lärm zu leiden. Ausserdem spare ihre Erfindung Energie, weil die Klimaanlage damit nicht so intensiv arbeiten müsse, wenn frische Luft durchs Fenster gelange. «Im Vergleich zum Kopfhörer, der nach demselben Prinzip arbeitet, war unsere Herausforderung weit grösser», so Woon-Seng. «Wir mussten die Schallwellen nicht in einem kleinen Raum direkt am Ohr auslöschen, sondern in einem grossen Bereich.»

Damit das Gerät Wirkung zeigt, müssen jedoch mehrere Systeme am Fenstergitter befestigt werden. Erst gemeinsam schaffen sie es, die Aussengeräusche durch Antischall teils auszulöschen. Das Team um Gan hat das Gerät in einer Halle getestet, in der sie ein Zimmer mit Türen und Fenstern aufbauten. Sie arbeiteten mit Baulärm, den Geräuschen eines Flugzeugtriebwerks und jenen von Zügen. Zurzeit sind die Wissenschafter daran, das Gerät verkleinern, verbessern und feilen an einer Produktionstechnik, welche die Kosten verrinert sodass es in Massen eingesetzt werden kann.

Bislang gibt es allerdings erst einen Prototypen. Er kommt mit einer Leistung von acht Watt aus. Dies entspricht der Leistung eines kleinen Bluetooth-Lautsprechers. (mai/mgt)