Checkliste für Gebäudesanierungen

Checkliste für Gebäudesanierungen

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Teaserbild-Quelle: Michael Bader/unsplash

Institutionelle Inmmobilieninvestoren könnten viel zum Gelingen der Energiestrategie 2050 beitragen, indem sie Gebäudesanierungen vorantreiben. Allerdings liegt dieses Potenzial oft brach. Grund dafür ist etwa, dass die Komplexität des Themas abschreckt. Dem wollen Wissenschaftler der HSLU mit einer Checkliste abhelfen.

Armiereisen an Bau mit Beton
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Michael Bader/unsplash

Gebäudesanierungen sind zu aufwändig und kompliziert? Die HSLU sagt: Nein. 

«Neubauten haben mittlerweile einen sehr hohen energetischen Standard. Dadurch rücken die älteren Häuser und die Frage nach Sanierungsmöglichkeiten vermehrt in den Blick des Bundesamtes für Energie», sagt Marvin King vom Institut für Gebäudetechnik und Energie (IGE) der HSLU. Er leitet das Projekt «SaNuInvest», mit dem die Sicht institutioneller Investoren auf das Thema beleuchtet werden soll. Solche Investoren besässen rund die Hälfte der Gebäude in der Schweiz und seien leichter zu erreichen als Besitzer von Einfamilienhäusern, so King. Und so ist die Beantwortung der Frage, was es braucht, um sie zu motivieren, ihre Immobilien fit für die Energiewende zu machen, Kernthema seines Projekts.

Hohe Kosten als Abschreckungsfaktor

Investoren zögern gemäss King und Kollegen oft, Sanierungen in die Wege zu leiten, weil sie kostenaufwändig und komplex sind. Das Team versuchte deshalb, Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Sanierung herauszukristallisieren und hat anhand derer eine Checkliste erstellt. Diese soll Investoren helfen, wichtige Aspekte von Anfang an mit einzubeziehen. Es sind fünf Faktoren, die für das Gelingen eines Sanierungsprojektes wichtig sind – und zwar von der Planung über die Umsetzung bis zum Unterhalt. Die grundlegenden Entscheidungen liegen nach wie vor bei der Bauherrschaft.

«Low-Tech oder sogar No-Tech ist das neue High-Tech.»

Marvin King, Dipl. Ing. Architekt, Bauökonom AEC, HSLU
Marvin King, Architekt und Bauökonom, HSLU

Vom Pflichtenheft zum Unterhalt

An erster Stelle steht ein Pflichtenheft: Es definiert Ziele, Rahmenbedingungen, die Organisation und Verantwortlichkeiten bezüglich der Einhaltung der Richtlinien des Energiekonzepts, des Raumprogramms, der Bauphysik oder der Gebäudeautomation. An zweiter Stelle stehen Entscheide, welche sich auf die architektonische Qualität auswirken. Entscheidet sich ein Bauherr für eine hohe Qualität, beeinflusst dies sowohl die Baukosten als auch auf die Betriebskosten, die nur schon deshalb niedriger sind, weil eine attraktive Immobilie teurer vermietet werden kann. Drittens müssen laut King und seinem Team Fragen der Gebäudetechnik geklärt sein. «Low-Tech oder sogar No-Tech ist das neue High-Tech», fasst er die Ergebnisse zusammen. Umso weniger Technik eingebaut wird, desto geringer sind die Unterhaltskosten. Während der vergangenen Jahre wurden die Gebäude mit immer komplexerer Technik ausgerüstet, um energetischen Anforderungen zu genügen oder einen höheren Komfort zu bieten. Zuletzt sind an vierter und fünfter Stelle Verarbeitung und Ausführungsqualität sowie der laufende Unterhalt zu berücksichtigen.

Alte Immobilien müssen aufholen

King und Kollegen hoffen, dass das neue Tool rasch Anwendung bei Investoren und Bauherren finden wird, denn ältere Gebäude hinken der Energiewende hinterher, und dem muss nicht so sein. Die Checkliste der HSLU soll die Hemmschwelle herabsetzen, sich mit der Sanierung eines Objekts zu befassen, selbst wenn diese hohe Kosten mit sich zöge. Der Endnutzen einer energietechnisch aufgewerteten Immobilie ist auf lange Sicht grösser. (mai/mgt/lfr)

Buchtipp: «Optimierungsstrategien im Nutzungszyklus von Immobilien»

Das Buch präsentiert mit Unterstützung des Bundesamtes für Energie (BFE) erarbeitete Sanierungsstrategien, die den Nutzungszyklus aus Sicht institutioneller Investoren berücksichtigen sollen. Die Autoren betrachten Aus- und Wechselwirkungen komplexer Gesamtsysteme von Gebäuden, entwickeln Sanierungsstrategien interdisziplinär und legen anhand eines Leitfadens Massnahmen zur Erhöhung einer Erneuerungsrate von Gebäuden dar. Sie zeigen auf, dass neben der funktionalen Nutzungsdauer die Identität der Gebäude über einen längeren Nutzungszyklus und die Anpassungfähigkeit bei sich verändernden Bedürfnissen entscheidend für die Lebensdauer von Immobilien sind. Durch ein effektives Management des Nutzungszyklus lassen sich Renditesteigerungen erzielen. Hierbei müssen Investitionsschwerpunkte während des ganzen Lebenszyklus aufeinander abgestimmt, sinnvoll geplant und optimiert werden. (mgt)

«Optimierungsstrategien im Nutzungszyklus von Immobilien – Handlungsempfehlungen für erfolgreiche Sanierungen», Hrsg.: Marvin King und Michael Trübestein, 282 Seiten, Verlag Springer Fachmedien, ca. 40 Franken, erscheint am 5. November