Basels Strich erhält einen wortwörtlichen Strich

Basels Strich erhält einen wortwörtlichen Strich

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Schätzungsweise bis zu 800 Frauen bieten laut Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt in Basel jeden Tag sexuelle Dienstleistungen an. Die Mehrzahl arbeitet in Salons oder wirbt in Kontaktbars Freier an. In der Öffentlichkeit am stärksten sichtbar sind jene dreissig bis fünfzig Prostituierte, die jeweils in der Kleinbasler Toleranzzone mögliche Kunden ansprechen.

Nicht zuletzt bei diesen Frauen herrsche eine sehr hohe Fluktuation, was die Vermittlung der rechtlichen Spielregeln zuweilen erschwere, so das Departement. Dabei gibt die Einhaltung der Toleranzzone bei der Weber- und Ochsengasse sowie dem Teichgässlein immer wieder zu reden. Aus der Bevölkerung kam daher der Wunsch, die Begrenzungen der Toleranzzone auf den Trottoirs farblich zu markieren – ein Wunsch, der nun umgesetzt wird. Basels Strassenstrich erhält also wortwörtlich einen Strich.

Quartier aufwerten, Strich behalten

Das ist nicht die einzige Massnahme, um die negativen Begleiterscheinungen des Strichs einzudämmen: Der Interessengemeinschaft VOW (Vorwärts Ochsengasse-Webergasse) schwebt eine Durchmischung des Rotlichtviertels vor – beispielsweise mit neuen In-, Jugend- und Musiklokalen sowie Boulevardbeizen, wie die «Basler Zeitung» berichtet. Es gehe um ein Miteinander, mit dem Ziel, das ganze Quartier aufzuwerten.

«Der Grundtenor muss wieder freundlicher werden. Es soll wieder Selbstkontrolle und Verantwortung geben in dieser Strasse», sagt Rolf Boner von der IG VOW gegenüber der «Basler Zeitung». Wenn man nichts unternehme, so werde die Kriminalität überborden. Als Sofortmassnahme haben die Mitglieder Flyer gedruckt und hängen sie an strategischen Punkten auf. Darauf steht: «Liebe Mädchen und liebe Gäste! Wir lieben diese lebendige Strasse. Deswegen heissen wir euch auch herzlich willkommen. Wir wünschen uns, dass auch ihr zur Strasse achtgebt und umsichtig seid, was den Abfall betrifft – wie wir das auch tun.»

Laut Anwohner und Gewerbetreibenden werde das Rotlichtmilieu immer aggressiver. Auch wer nicht eine Sexarbeiterin aufsuchen wolle, sondern etwa zu einem Coiffeurtermin eilt, werde von den Prostiutierten mitunter resolut angeworben. (aes/mgt)