Basel-Stadt schafft Naturinventar

Basel-Stadt schafft Naturinventar

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Als «Naturobjekte» wurden Standorte erfasst, «die für unsere Gesellschaft als besonders wertvoll eingestuft werden und damit von lokaler, kantonaler oder nationaler Bedeutung sind», teilte das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) mit.

Basel-Stadt habe mit dem Inventar die wohl einzige flächendeckende Untersuchung im Land, sagte Naturschutz-Fachstellen-Leiter Michael Zemp. Bei den Felderhebungen von 2008 und 2009 waren namentlich Pflanzen, Flechten, Heuschrecken, Libellen, Tagfalter, Mollusken, Amphibien, Reptilien und Fledermäuse im Visier.

Das Naturinventar ist indes keine vollständige Tier- und Pflanzen-Liste; so fehlen etwa Fische und Vögel. Aus Kapazitätsgründen habe man sich auf Arten konzentriert, die als gefährdet auf Roten Listen stehen, sagte Projektleiterin Yvonne Reisner. Ergänzende Erhebungen seien angedacht.

Periodische Wiederholung vorgesehen

Auf den insgesamt rund 1000 kartierten Flächen wurde nach besagten neun Artengruppen gefahndet. Arbeitsmethodik und Befunde wurden laut Reisner so dokumentiert, dass man das Inventar in einigen Jahren wiederholen und dabei vergleichbare Resultate erzielen könne. 55 Personen arbeiteten diesmal mit, davon 30 auf dem Feld.

Basel-Stadt ist geprägt von den drei Landschaftstypen Flusstäler (Rhein, Birs, Wiese), Sundgau-Ausläufer (Bruderholz) und Dinkelberg (Riehen/Bettingen). Als typisch städtisch gelten Ruderalflächen, vor allem bei Bahn- und Hafenanlagen, speziell brach liegende. Manche davon böten ausserordentlich vielen Arten Unterschlupf.

Bechtsteinfledermäuse und seltene Schmetterlinge

Zu den auf Stadtkantonsgebiet gefundenen schweizweiten Raritäten zählt zum Beispiel die Bechsteinfledermaus; auch Heuschrecken und Schmetterlinge sind teils sehr selten. Manches gedeiht mitten in der Stadt in Rabatten und Kreisel- Inseln, quasi durch den Verkehr geschützt, so etwa seltene Orchideen wie der Bienen-Ragwurz.

Jene Flächen, die vielen gefährdeten Arten Lebensraum bieten, sind besonders schutzwürdig. Gemäss Urs Leugger, dem Vizechef der Stadtgärtnerei, der die Naturschutzfachstelle angegliedert ist, hat rund 5 Prozent der inventarisierten Naturobjekte nationale Bedeutung.

Inventar allein schützt nicht

Lebensräume, die nun im Naturinventar als wertvoll taxiert sind, geniessen noch keinen rechtlichen Schutz. Die Regierung kann sie jedoch anhand des Inventars noch unter Schutz stellen. Für das Inventar wurde übrigens nur staatlicher Grund untersucht, keine privaten Flächen.

Konkret sollen wertvolle Flächen bei künftigen Projekten schon im Planungsstadium verschont werden; was etwa auch Baumaterial-Depots betrifft.  Bei unvermeidlicher Beeinträchtigung, oder wenn eine Fläche gar überbaut wird, soll sie möglichst adäquat ersetzt werden. Die Behörden können nun auch das Inventar schützenswerter Flächen mit ihrer Liste jener Flächen abgleichen, welche von invasiven Neophyten befallen sind. Damit wird laut Reisner der Handlungsbedarf gegen solche verdrängenden neuen Pflanzen ablesbar.

Das Naturinventar kann im Internet eingesehen werden unter www.stadtplan.bs.ch. Einzelne rare Pflanzen sind allerdings vorsichtshalber nicht exakt lokalisiert. (sda/mrm)