Autostopp per SMS: Luzern testet neues ÖV-Angebot für Randregionen

Autostopp per SMS: Luzern testet neues ÖV-Angebot für Randregionen

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Teaserbild-Quelle: Bild: Joachim Kirchner/Pixelio

Ein solches Mitfahrsystem werde zum ersten Mal in der Schweiz öffentlich erprobt, sagt Christoph Zurflüh, Sprecher des Verkehrsverbunds Luzern (VVL). Getestet wird es in einer dünn besiedelten Region im Westen Luzerns an der Grenze zum Kanton Bern, wo Postautos nur mit wenigen Kursen unterwegs sind.

Der Testbetrieb beginnt am 2. Juni mit fünf Haltestellen in den Gemeinden Luthern, Willisau und Zell. Das 50 000 Franken teure Pilotprojekt dauert ein Jahr. Finanziert wird es vom Verkehrsverbund.

Im Herbst 2015 soll das System auch im Kanton Neuenburg zur Anwendung kommen. Danach ist ein umfangreicher Test in der Grossregion Genf geplant. Die Idee stammt vom Berner Unternehmer Martin Beutler. Der 52-jährige studierte Architekt betreibt das Kleinunternehmen Taxito, welches das gleichnamige Mitfahrsystem entwickelt hat und vertreibt.

Abrechnung übers Handy

Die Idee ist simpel: Wer mitgenommen werden will, sendet von einer speziellen Haltestelle aus eine SMS mit seinem Fahrziel an eine Onlineplattform. Danach signalisiert ein Lämpchen auf einer Anzeige an der Haltestelle den Autofahrern, wohin der Wartende mitgenommen werden will.

Der Fahrgast quittiert die Mitnahme, indem er die Autonummer ebenfalls per SMS ans System meldet. Wer das Angebot immer wieder nutzt, kann sich auf einer App registrieren.

Abgerechnet wird die Fahrt über das Handy. Beim Testlauf im Kanton Luzern kostet eine Fahrt den Passagier pauschal zwei Franken. Davon geht ein Franken an den Fahrer. Die andere Hälfte sind Inkasso- und Vermittlungsgebühren etwa für die Mobilfunkbetreiber und die Taxito AG.

Der grosse Unterschied zwischen Taxito und normalem Autostoppen sei das System, das dahinterstecke, sagte Initiant Martin Beutler jüngst dem «Willisauer Boten». Wenn er jemand per Autostopp mitnehme, wisse er nicht, auf wen er sich einlasse. Dasselbe gelte für den Fahrgast. Bei Taxito seien Fahrer und Passagier aber im System erfasst. Das sorge für die nötige Sicherheit.

Mit dem Pilotprojekt will der VVL testen, wie das Mitfahrsystem in der Bevölkerung ankommt. Die betroffenen Gemeinden, Bus-, Bahn- und Postautobetriebe in der Region stünden hinter dem Projekt, sagte VVL-Sprecher Christoph Zurflüh.

Kurze Wartezeit, kaum Nachfrage

Von 2002 bis 2005 wurde in der Region Burgdorf BE ein technisch simpleres, aber ähnliches Mitfahrsystem in sechs Ortschaften getestet. Dabei lag die durchschnittliche Wartezeit pro Passagier bei nur sechs Minuten.

Allerdings lag die Nachfrage seitens der Passagiere weit unter den Erwartungen. Statt geplanten acht Abfahrten pro Standort und Tag war es im Schnitt jeweils effektiv nur eine Abfahrt. Das Projekt lief nach einem dreijährigen Test aus. Aus Kostengründen wurde es nicht definitiv eingeführt.

Mitfahrgelegenheiten in Privatautos würden den herkömmlichen öffentlichen Verkehr mit Bussen und Regionalzügen nicht ersetzen, sagte VVL-Sprecher Christoph Zurflüh. Die neuen Angebote könnten aber den bestehenden ÖV ergänzen und so verbessern.

In Randregionen sei ein ÖV-Angebot über das gesetzliche Minimum hinaus nur schwer realisierbar, erklärte der VVL-Sprecher weiter. Aus finanziellen Gründen würden deshalb vor allem dort Gelder in einen Ausbau investiert, wo die Nachfrage gemessen an Passagierzahlen gross sei, nämlich in den Städten und der Agglomeration.

Taxito mache sich Privatautos zu Nutze, die in dünn besiedelten Gebieten ohnehin stark vertreten seien. Für den Verkehrsverbund wäre es damit möglich, auch in diesen Regionen aktiv zu sein. (sda/aes)