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 Sprechen wie Barack Obama minimieren

Alle Welt hofft auf Barack Obama. Er fasziniert – er begeistert – er ist ein Superstar! Was auch immer seine Präsidentschaft bringen wird: Auf alle Fälle liefert Barack Obama ein anschauliches Beispiel für optimale Redetechnik, von der gerade auch Gemeindevertreter profitieren können.

Von Michael Oefner

Sich vor Publikum gut «verkaufen» zu können, ist eine ganz entscheidende Kernkompetenz von erfolgreichen Gemeindevertretern. Sei es anlässlich der Gemeindeversammlung vor grossem Publikum oder bei Sitzungen vor kleinen Gruppen – nur wer als Redner überzeugt, kann begeistern und bewegen.

Barack Obama wäre niemals der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika geworden, wäre er nicht ein brillanter Rhetoriker. Welche Punkte kann man von Obamas Redetechnik abkupfern, um die eigene Redefähigkeit zu optimieren? Eine Betrachtung seiner Siegesrede vom 4. November 2008 in Chicago liefert einige wertvolle Hinweise.

Knackige Begrüssung
«Hello, Chicago!» Mit nur gerade zwei Worten hat Barack Obama die anwesenden Zehntausenden von Menschen begrüsst. Man ist allgemein gut beraten, die Begrüs­sung kurz und knapp zu halten. Meistens genügt es, das Pub­likum ganz einfach mit «Meine Damen und Herren» anzureden, denn einem dieser Geschlechter werden sich die meisten Zuhörer zuordnen …

Wer also sein Publikum mit «Geschätzte Damen und Herren, herzlich willkommen zu …» begrüsst, ist bestimmt auf dem richtigen Weg. Es sollte vermieden werden, das Publikum zu Beginn mit einer Kaskade von Namen zu langweilen. Das ermüdet, und die Zuhörbereitschaft könnte verbraucht sein, bevor der Redner das erste Wort zur Sache gesagt hat.

Oft ist natürlich nicht zu umgehen, herausgehobene Personen speziell zu begrüssen. Wenn immer möglich, sollte deren Anzahl jedoch auf drei beschränkt werden.

Hinweis auf Gemeinsamkeiten
«Wir sind und werden immer die Vereinigten Staaten von Amerika sein.» Barack Obama wies gleich zu Beginn seiner Rede darauf hin, dass alle im gleichen Boot sitzen: Junge und Alte, Reiche und Arme, Schwarze und Weisse.

Am Anfang einer Rede sollte versucht werden, möglichst die ganze Zuhörerschaft mit an Bord zu nehmen, indem man Dinge anspricht, die alle angehen und interessieren. Gemeinsamkeiten sind eine solide Grundlage, auf der die eigentliche Botschaft aufgebaut werden kann.

Wer ein heikles Traktandum zu vertreten hat, ist gut beraten, zu Beginn von Fakten und Tatsachen zu sprechen, bei denen die meisten Zuhörer gleicher Meinung sind. Aus diesen Gemeinsamkeiten heraus kann man in der Folge die logischen Schlussfolgerungen ziehen, die den zu vertretenden Punkt stützen.

Spannung aufbauen
«Ann Nixon Cooper ist 106 Jahre alt. Sie wurde nur eine Generation nach dem Ende der Sklaverei geboren; zu einer Zeit, als es noch keine Autos auf den Strassen gab und keine Flugzeuge im Himmel …»
Wer spannende Geschichten erzählt, fasziniert. Wem es gelingt, selbst sogenannte trockene Materie mit interessanten Fakten und Details oder mit treffenden Zitaten zu würzen, hilft dem Publikum, bei der Sache zu bleiben.

Vor allem für die ersten Sätze einer Rede gilt das Motto: Langeweile gibt's nicht! Denn natürlich ist es erfreulich, wenn andere prob­lemlos einschlafen können. Aber bitte nicht im Publikum! Die Ansprüche an das gesprochene Wort sind heute hoch. Die multimedial verwöhnte Zuhörerschaft erwartet mehr denn je gehaltvolle Informationen und zugleich beste Unterhaltung. Mit etwas Fantasie und Kreativität kann man diesen berechtigen Erwartungen gerecht werden.

Blickkontakt
Trotz riesigem Publikum wirkte Barack Obama während seiner Siegesrede sehr persönlich und authentisch. Dies erreichte er vor allem auch durch seinen ganz gezielten Blickkontakt zum Publikum.

Die deutsche Lyrikerin Anke Maggauer-Kirsche sagte treffend: «Schaue jemandem in die Augen und du begegnest ihm.» Das gilt nicht nur im direkten Gespräch, sondern unbedingt auch vor grös­serem Publikum. Es ist wichtig, möglichst allen Zuhörern in gleicher Weise Blickkontakt zu schenken. Sympathisch wirkt dabei, wer gezielt einzelnen Personen kurz in die Augen schaut statt den Blick nur leer über die Menge schweifen lässt.

Pausen
Barack Obama hatte auch während seiner Siegesrede den Mut zu Pausen. Vor allem nach wichtigen Gedanken hielt er für einige Sekunden inne, um das Gesagte wirken zu lassen.

Beim Sprechen vor Publikum sind rhetorische Pausen unerlässlich. Ohne solche Pausen wirkt das Gesagte wie ein endloser Wasserfall, bei dem die Zuhörer von der Menge der Gedanken förmlich überspült werden. Die richtige Pausentechnik dagegen verleiht einer Aussage Klarheit und Gewicht.

Solche Pausen dürfen durchaus einige Sekunden lang dauern. Das Publikum wird dies nicht etwa als Blackout des Redners interpretieren, sondern wird die Pause als willkommene Gelegenheit nutzen, um die letzten Gedanken zu verdauen und wirken zu lassen.

Störenfriede und Querulanten
Auf boshafte Attacken seiner politischen Herausforderer entgegnete Obama cool: «Auf dem Basketball-Platz wurden mir schon ganz andere Bezeichnungen nachgerufen.»

«Der Mensch ist ein Nichts, das die Eigenschaft besitzt, hartnäckig dumme Fragen zu stellen.» Wie diese reichlich zynische Feststellung vermuten lässt, treffen auch Gemeindevertreter beim Sprechen vor Publikum des Öfteren auf herausfordernde Fragensteller. Manche dieser Fragensteller haben Anstand. Manche leider nicht. In beiden Fällen nützt Obamas Patentrezept: Humor und Gelassenheit! Wer selbst bei offensichtlichen verbalen Attacken cool bleibt, ist schon auf dem besten Weg, die Situation erfolgreich zu meistern.

Grundsätzlich gilt: Redner müssen eine positive Einstellung zu den Fragen der Zuhörer entwickeln. Wer sich als Redner schon im Voraus mit Fragen befasst, die das Publikum möglicherweise stellen könnte, ist gut gerüstet, wenn der «Ernstfall» dann tatsächlich eintritt.

Knackiger Schlusspunkt
Mit dem inzwischen allseits bekannten Slogan «Yes, we can!» setzte Barack Obama einen kraftvollen, optimistisch stimmenden Schlusspunkt.

Eine Rede ist gemäss einem gewissen Lord Mancroft wie eine Liebesaffäre: Jeder Dummkopf kann damit anfangen, aber sie mit Anstand zu Ende zu bringen, das erfordert einige Geschicklichkeit. Am Schluss gilt es, das Ziel der Rede in den Vordergrund zu rücken. Mit kurzen, prägnanten und gut gewählten Schlussworten bietet sich dem Redner die Gelegenheit, dem Auftritt einen wirkungsvollen Schlusspunkt aufzusetzen.

Nach all diesen Ausführungen bleibt die Frage: Können helvetische Gemeindevertreter gut reden vor Publikum? Werden diese betrachteten Tipps konsequent umgesetzt, kann man getrost antworten mit «Yes, they can!».